Die Trennung der Wassermassen

Die nachfolgende Frage habe ich von einer Person über Ruedi Kündig vom Bibellesebund erhalten und eine kurze Arbeit darüber verfasst:

Wir behandeln in einer Kinderwoche das Thema Schöpfung: Ich habe die Andacht am zweiten Tag zur „Wasserteilung“. Wir sind uns nun nicht einig, wie das Wasser am Himmel ausgesehen hat. Ich stelle mir Wolken vor. So, wie wir sie jetzt kennen. Mein Bruder meint aber, dass es vor der Sintflut keine Wolken gegeben habe und es eine Wasserschicht am Himmel war. Kannst du uns da helfen? Wie hat das Wasser am Himmel ausgesehen?

Und Gott sprach: „Es soll Raum zwischen den Wassern entstehen, der die Wasser voneinander trennt.“ Und so geschah es: Gott schuf diesen Raum, um die Wasser oberhalb und unterhalb dieses Raumes zu trennen. Und Gott nannte den Raum „Himmel“. Es wurde Abend und Morgen: der zweite Tag. (1. Mose 1,6-8)

Antwort

Wie die Erde und ihre Umgebung vor der Flut ausgesehen haben könnte, darüber lässt sich nur spekulieren. Deshalb gehen wir mal von den Dingen aus, die uns heute bekannt sind:

  • Die Wasserverteilung auf der Erde zeigt, dass heute ein 40-tägiger Dauerregen nicht mehr möglich wäre
  • Das Profil der Erde zeigt, dass die vorhandenen Wassermengen nicht ausreichen, um über die höchsten Berge zu steigen, wie das bei der Sintflut der Fall war.
  • Seit der Sintflut kann der Regenbogen beobachtet werden, vorher möglicherweise nicht.
  • Auf der heutigen Erde ist kein Wassersystem bekannt, das mit den „Brunnen der grossen Tiefe“ identifiziert werden kann (vgl. 1. Mose 7,11).
  • Der Garten in der Landschaft Eden mit seinen vier Flüssen (vgl. 1. Mose 2) kann nicht mehr lokalisiert werden. Die dortige Geologie und Geografie muss sich verändert haben.
  • Die Lebenserwartung der Menschen vor der Flut und nach der Flut nahm drastisch ab.
  • Viele Tierarten sind ausgestorben.
  • Die heutigen Tierarten sind nicht gleichmässig über die Erde verteilt.
  • Der Mensch darf seit der Flut auch Fleisch essen (1. Mose 9,3).

Gab es Wolken vor der Flut?

In der Tat ist es nun so, dass Wolken erst nach der Flut (1. Mose 9,13ff) erwähnt werden. Das muss nicht bedeuten, dass es vorher keine Wolken gab. An dieser Stelle wird ja nicht behauptet, dass es Wolken erst von diesem Moment an gab, sondern dass Gott seinen Bogen in die Wolken gesetzt habe und zwar als „Bundeszeichen“ für die ganze Menschheit (W. zwischen mir (Gott) und der Erde). Der Fokus liegt also auf dem Bogen als Bundeszeichen und nicht auf dem Bogen. Rein von dieser Tatsache her, steht für mich daher nicht fest, ob es nun Wolken gab oder nicht. Was ich mir aber nicht vorstellen kann, ist dass die Erde von sichtbaren Wolken überdeckt war. Dadurch wäre ja gerade auch die Sicht eingeschränkt gewesen auf die „Zeichen“, die Zeiten zu bestimmen (1. Mose 1,14ff). Daher denke ich, kann man das Gewölbe, welches die beiden Wassermassen voneinander trennt, nicht mit „Wolken“ gleichsetzen.

Wie könnte das „Wasser des Himmel“ ausgesehen haben?

Von der Tatsache ausgehend, dass es für uns unmöglich ist, zu wissen, wie es damals ausgesehen hat, einfach mal eine Vermutung, die heute von vielen Forschern geteilt wird, die sich auf die biblische Grundlage stützen: Man geht dabei von einer völlig anderen Hydrologie (Wasserlehre) in der vorsintflutlichen Zeit aus. Kernstücke sind dabei ein „Wasserdampfgürtel“ oder eine „Dunstglocke“ und ein anderes System von unterirdischen Wasserspeichern und Quellen. Dieser „Wasserdampfgürtel“ könnte gleichzeitig auch ein Schutzschild gegen kosmologische Strahlung gewesen sein. Licht und Wärmestrahlung würde passieren und reflektiert werden und es würde ein Treibhaus-Effekt entstehen. Das würde dazu führen, dass auf der Erde ein gemässigtes Klima herrschte. Also hätte es extrem warme und kalte Zonen nicht gegeben und Stürme, bzw. Gewitter hätten sich auch nicht oder viel weniger ausbilden können, da diese verschiedene Kalt- und Warmfronten voraussetzen. (Quelle: Creatio „biblische Schöpfungslehre“)

Worum geht es eigentlich?

Vielleicht mag es im ersten Moment unbefriedigend sein, dass wir darauf keine klare Antwort erhalten. Auf zwei Dinge werde ich aber noch besonders eingehen. Ich denke, dass es noch viel zentralere Aspekte gibt, als ob das nun Wolken waren oder nicht.

Ein Hinweis für Gottes Grösse

Zuerst einmal muss gesagt werden, dass die Frage ja nicht neu ist. Im Gegenteil: Diese Fragen gehören zu den ältesten überhaupt und überraschenderweise stellt Gott selbst diese Fragen. Diese Fragen sind ein Hinweis auf Gottes Grösse, seine Weisheit und Souveränität:

Das Buch Hiob geht mit dem Reden Gottes ab Kapitel 38 seinem Ende zu. Gott spricht zu Hiob aus dem Sturm und er stellt ihm da Fragen über Fragen:

Wer bist du, dass du meinen Plan anzweifelst, von Dingen redest, die du nicht verstehst? Nun gut! Steh auf und zeige dich als Mann! Ich will dich fragen, gib du mir Bescheid! Wo warst du denn, als ich die Erde machte? Wenn du es weißt, dann sage es mir doch! Wer hat bestimmt, wie groß sie werden sollte? Wer hat das mit der Messschnur festgelegt? Du weißt doch alles! Oder etwa nicht? Auf welchem Sockel stehen ihre Pfeiler? Wer hat den Grundstein ihres Baus gelegt? Ja, damals sangen alle Morgensterne, die Gottessöhne jubelten vor Freude! Wer hat das Meer mit Toren abgesperrt, als es hervorbrach aus dem Schoß der Erde? Ich war’s, ich hüllte es in dichte Wolken, als Windel gab ich ihm den dunklen Nebel. Ich gab ihm seine vorbestimmte Grenze, schloss es mit Tor und Riegel sicher ein. Ich sagte ihm: ›Bis hierher und nicht weiter! Hier hört der Hochmut deiner Wellen auf!‹ Hast du je einen Tag heraufbefohlen, der Morgenröte ihren Platz bestimmt und ihr gesagt, der Erde Saum zu fassen und alle Bösen von ihr abzuschütteln? In ihrem Licht erheben sich die Berge, wie Kleiderfalten treten sie hervor. Den Bösen aber bringt das Licht kein Glück, es setzt dem Missbrauch ihrer Macht ein Ende. Warst du schon unten bei den Meeresquellen? Den Grund des Meeres, hast du ihn durchstreift? Hast du am Tor der Totenwelt gestanden, dort, wo die ewige Finsternis beginnt? Weißt du, wie weit die Erde sich erstreckt? Wenn du das alles kennst, dann sag es mir! Kennst du den Weg zum Ursprungsort des Lichtes? Von welcher Stelle kommt die Dunkelheit? Führst du sie bis ans Ende ihres Weges und bringst sie dann zu ihrem Ort zurück? Du musst es können, denn du bist so alt, du warst ja damals lange schon geboren! Hast du die Vorratskammern schon gesehen, wo ich den Schnee und Hagel aufbewahre? Ich halte sie bereit für Unheilstage; mit ihnen greif ich ein in Kampf und Krieg. Wo ist der Weg zum Aufgangsort der Sonne und wo der Platz, von dem der Ostwind kommt? Wer grub am Himmel Rinnen für den Regen? Wer bahnte dem Gewitter seinen Weg? Wer lässt es regnen auf die öde Steppe, aufs Land, in dem es keine Menschen gibt? Wer stillt den Durst der ausgedörrten Erde, damit sie grünes Gras aufsprießen lässt? Denk an den Regen: Hat er einen Vater? Und sieh den Tau: Hat jemand ihn gezeugt? Wo kommt das Eis her? Wer ist seine Mutter? Und welcher Schoß gebar den Reif und Frost, der Bach und Fluss in harten Stein verwandelt, das Meer bewegungslos erstarren lässt? Kannst du das Siebengestirn zusammenbinden? Löst du den Gürtel des Orions auf? Lässt du die Tierkreisbilder aufmarschieren, dass jedes sichtbar wird zu seiner Zeit? Lenkst du den Großen und den Kleinen Wagen? Kennst du die Ordnung, der der Himmel folgt, und machst sie gültig für die ganze Erde? Rufst du den Wolken dort Befehle zu, damit sie Regen auf dich strömen lassen? Schickst du die Blitze auf die Erde nieder? Stehn sie dir zu Befehl, wenn du sie rufst? Wer sagt dem Ibis, dass der Nilstrom steigt? Wer sagt dem Hahn, dass Regenwetter kommt? Wer zählt die rechte Zahl von Wolken ab? Wer leert des Himmels Wasserkrüge aus, wenn alle Ackerschollen fest zusammenbacken, die Erde hart geworden ist wie Stein? Treibst du der Löwin ihre Beute zu? Stillst du die heiße Gier der jungen Löwen, wenn sie sich in den Höhlen niederkauern, in dichten Büschen auf der Lauer liegen? Wer ist es, der den Raben Futter gibt, wenn ihre Jungen nichts zu fressen finden und mir laut schreiend ihren Hunger klagen?“

Es folgen natürlich noch viele weitere Fragen. Hiob wusste bereits, dass ein Mensch, der mit Gott einen Prozess führt von ihm Tausend Fragen gestellt bekäme und darauf nicht eine Antwort weiss (Hiob 9,3). Genau das war auch der Fall, als Gott ihm dann diese Fragen stellte. Klar die Fragen wirken sehr poetisch. Doch dadurch können wir sie nicht als „wertlos“ abtun. Viele dieser Fragen beschäftigen uns auch heute noch, selbst bei unserem Wissensstand und unserer Technik. Es wurden längst nicht alle geklärt. Ich wage sogar zu behaupten, dass wir auf viele dieser Fragen keine umfassende Antwort haben.

Wie entsteht zum Beispiel Regen? Scheint einfach zu sein: Wasserdampf sammelt sich um ein Staubpartikel und dadurch entsteht dann, wenn sich genug Wasserdampf angesammelt hat ein Wassertropfen. Nur hat man vor vielen Jahren herausgefunden, dass dieser Prozess auf natürliche weise rund 30 Jahre dauern würde. Man nimmt heute an, dass Aufwinde diesen Prozess beschleunigen, wobei diese Tatsache noch nicht endgültig bewiesen wurde. Oder wie wird denn das Licht übertragen? Sind es nun Partikel oder sind es Wellen? Man beruft sich heute auf Wellen und Partikel, aber ist denn beides möglich? Ein Bereich, in dem man sich in der Wissenschaft nicht einig ist. Und was fragt da Gott Hiob mehrere tausend Jahre vor unserer Zeit? Etwa in der Zeit der Patriarchen (Abraham, Isaak, Jakob)? „Kennst du den Weg zum Ursprungsort des Lichtes (Hiob 38,19)?“ Ist doch faszinierend: Gott stellt ihm eine Frage, die uns heute noch beschäftigt.

Vielleicht müssen wir uns auch damit zufrieden geben, dass wir uns hier an einem Punkt befinden, wo wir nur spekulieren können. Gottes Weisheit übersteigt bei Weitem unseren kleinen Verstand. Wir können Gott auf tausend Fragen, nicht eins antworten. Das scheint mir gerade auch bei der Trennung der Wassermassen der Fall zu sein. Wo waren wir, als Gott die Erde schuf? Wo waren wir als er die Messschnur ansetze und bestimmte, wie gross sie sein sollte?

Ein Hinweis für Gottes Liebe

Und vielleicht sollten wir die Frage einfach auch mal anders stellen. Man kann sich fragen, wie nun dieses Wasser aussah oder man könnte sich auch fragen: Warum machte Gott überhaupt diese Wölbung und die Trennung der Wassermassen? Auf diese Frage erhalten wir eine klare Antwort:

Dankt dem Herrn, denn er ist gut zu uns! – Seine Liebe hört niemals auf! Dankt ihm, dem allerhöchsten Gott! – Seine Liebe hört niemals auf! Dankt ihm, dem mächtigsten aller Herren! – Seine Liebe hört niemals auf! Er allein tut große Wunder. – Seine Liebe hört niemals auf! Kunstvoll hat er den Himmel gewölbt. – Seine Liebe hört niemals auf! Über den Meeren hat er die Erde ausgebreitet. – Seine Liebe hört niemals auf! Er hat die großen Lichter gemacht: – Seine Liebe hört niemals auf! Die Sonne, um den Tag zu regieren – Seine Liebe hört niemals auf! Mond und Sterne für die Nacht. – Seine Liebe hört niemals auf! Er tötete die Erstgeborenen der Ägypter. – Seine Liebe hört niemals auf! Er führte Israel von dort heraus. – Seine Liebe hört niemals auf! Er tat es mit seiner starken Hand. – Seine Liebe hört niemals auf! Er schnitt das Schilfmeer in zwei Teile. – Seine Liebe hört niemals auf! Er führte Israel mitten hindurch. – Seine Liebe hört niemals auf! Er stürzte den Pharao und sein Heer in die Fluten. – Seine Liebe hört niemals auf! Er leitete sein Volk durch die Wüste. – Seine Liebe hört niemals auf! Er besiegte große Könige. – Seine Liebe hört niemals auf! Mächtige Könige brachte er um: – Seine Liebe hört niemals auf! Sihon, den König der Amoriter – – Seine Liebe hört niemals auf! und Og, den König des Landes Baschan. – Seine Liebe hört niemals auf! Ihre Länder teilte er Israel zu. – Seine Liebe hört niemals auf! Er gab sie seinen Dienern als Erbbesitz. – Seine Liebe hört niemals auf! Er dachte an uns, sooft man uns unterdrückte. – Seine Liebe hört niemals auf! Er befreite uns von unseren Feinden. – Seine Liebe hört niemals auf! Allen Geschöpfen gibt er zu essen. – Seine Liebe hört niemals auf! Dankt ihm, dem Gott des Himmels! – Seine Liebe hört niemals auf! (Psalm 136)

Das Kennzeichen für alles was Gott tat ist seine Liebe der Schöpfung gegenüber, der Liebe zu seinem Volk und die Liebe zu jedem einzelnen Menschen. Und unser Kennzeichen Gott gegenüber sollte die Dankbarkeit für all diese Dinge sein.

Quellen

Bibelstellen: Altes Testament (Gute Nachricht)
Titelbild: twinlili  / pixelio.de

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