Gott wirkt zwischen den Zeilen

Die eigenart vom Buch Esther besteht darin, dass Gott (hebr. Elohim) und Gottes Name (JHWH) an keiner Stelle in keiner Form erwähnt wird. Doch fehlt Gott tatsächlich in dieser Geschichte? Ich möchte hier auf einige Aspekte eingehen, an welchen Stellen wir Gott dennoch erkennen können.

Das Buch Esther beginnt und endet mit einem Fest. Zu Beginn veranstaltet der König Xerxes ein  grosses Fest und lädt dazu alle seine Minister ein. Und die Geschichte endet mit einem Fest. Die Juden feiern das Purim-Fest, weil sie von dem grossen Unglück, das ihnen drohte, gerettet wurden. Und dieses Fest feiern sie heute noch. Dazwischen geschehen jedoch viele Dinge und wenn wir diese betrachten, dann begegnet uns auch Gott in dieser Geschichte. Gott wirkt gewissermassen zwischen den Zeilen.

Gottes Wirken im Esther-Buch

Gottes Wirken I: Ester wird Königin und soll für die Juden einstehen

Die Königin Waschti wurde ja vom König abgesetzt, weil sie nicht am Fest teilnehmen wollte und er dann dem Rat seiner Berater folgte. Und so kam es dann, dass der König sich eine neue Königin suchte. Auch Ester war unter den Anwerberinnen. Mordechai wollte bewusst, dass Ester nichts über ihre Herkunft sagt. Sie wurde von vielen Frauen zur Königin ernannt. Doch war es wirklich nur ihre Schönheit, welche sie letztlich zur Königin werden liess? Mordechai sieht hinter dem Ganzen noch einen ganz anderen Grund. Die Juden kamen zunehmend in Bedrängnis. Haman wollte sie alle töten lassen und da lässt Mordechai Ester sagen:

»Denk nur nicht, dass du im Königspalast dein Leben retten kannst, wenn alle anderen Juden umgebracht werden!  Wenn du in dieser Stunde schweigst, wird den Juden von anderswo her Hilfe und Rettung kommen. Aber du und deine Familie, ihr habt dann euer Leben verwirkt und werdet zugrunde gehen. Wer weiß, ob du nicht genau um dieser Gelegenheit willen zur Königin erhoben worden bist?« (Ester 4,12-14)

Mordechai gibt zwar die Antwort nicht, aber ich denke, dass man Rückblickend sagen kann, dass er damit Recht hatte. Sie wurde für diese Gelegenheit zur Königin und ich gehe sehr davon aus, dass hinter ihrer Wahl zur Königin, der grösste aller Könige steht. Der, welcher Himmel, die Sterne und Planeten, die Erde und alles was auf ihr ist geschaffen hat.

Gottes Wirken II: Haman will die Juden ausrotten und wirft das Pur

Mordechai reizte Haman zum Zorn. Er wollte sich nicht vor ihm beugen, weil er Jude ist. Nun genügte es Haman natürlich nicht, nur ihn damit zu strafen. Das ganze Volk Israel wollte er ausrotten. Und hier fällt etwas besonders ins Auge. Haman ist zutiefst abergläubisch. Er kann den Termin für dieses Unterfangen nicht selbst bestimmen. Er lässt dabei das Los (Pur) entscheiden. Es heisst in der Bibel, dass er dieses Los im jüdischen Monat Nisan warf. Das ist der erste Monat des Jahres bei den Juden. Und das Los fiehl auf den 13. Adar – der 12. Monat des jüdischen Kalenders.

Zur Veranschaulichung hier die 12 jüdischen Monate:

  1. Nisan
  2. Ijjar
  3. Siwan
  4. Tammus
  5. Aw
  6. Elul
  7. Tschiri
  8. Cheschwan
  9. Kislew
  10. Tevet
  11. Schevat (oder Schwat)
  12. Adar

Merkst du was hier geschieht? Zwischen dem Werfen des Loses und dem eigentlichen Termin liegt fast ein ganzes Jahr. Und Haman vertraut diesem System. Er hätte ja einfach zum König gehen und ihn so darum bitten können – aber er vertraut eben dem Prinzip seiner Sterne.

Doch noch etwas wird daraus deutlich. Waren es denn wirklich die Sterne, welche dazu führten, dass diese Würfel so gefallen sind? Albert Einstein sagte einmal: Gott würfelt nicht. Er meinte damit, dass Gott nichts dem Zufall überlassen würde. Könnte er am Ende dahinter stecken? Hat er dafür gesorgt, dass dem Volk Israel noch fast ein Jahr bleibt um auf diesen Beschluss zu reagieren? Ich persönlich glaube das.

Gottes Wirken III: Mordechai rettet dem König das Leben und Haman muss ihm die grösste Ehre erweisen

Es ist wohl einige Zeit vergangen, seitdem Ester zur Königin wurde, da hörte Mordechai einem Mordkomplott zu. Zwei Eunuchen (Bigtam und Teresch) wollten das Leben des Königs auslöschen. Mordechai wandte sich umgehend an Ester und erzählte ihr davon, die es sofort dem König meldete. Die Sache wurde untersucht, die Verschwörung aufgedeckt und die betreffenden wurden an den Galgen gehängt. Anschliessend liess der König dieses Ereignis in die königliche Chronik eintragen.

Wieder verging einige Zeit. Was Mordechai tat gerit in Vergessenheit und die Chronik wanderte wieder in die Schublade zurück. Haman hatte in der Zwischenzeit bereits veranlasst, dass die Juden an einem bestimmten Datum getötet werden sollen, brachte das bereits vor den König und kam damit durch. Aber als Mordechai sich einmal mehr nicht vor ihm beugte, da riss für ihn der Geduldsfaden und er liess einen Galgen aufstellen, an dem er Mordechai aufhängen wollte. Er wollte mit diesem Anliegen gleich zum König. Doch dieser hatte in dieser besagten Nacht schlecht geschlafen oder schlecht geträumt. Der König liess sich quasi als Gute Nachtgeschichte etwas vorlesen. Chroniken sind dazu ja besonders geeignet einzuschlafen und so wurde ihm daraus vorgelesen. Doch die Stelle, die dem König vorgelesen wurde, war genau jene von Mordechai. Der König erinnerte sich plötzlich wieder an diese Begebenheit und fragt: »Was für eine Belohnung, was für eine Auszeichnung hat Mordechai dafür erhalten?« Doch die Antwort war: »Keine.« Der König fragte weiter: »Wer ist da draußen im Hof?« Es war Haman, der bezüglich Mordechai zu ihm gehen wollte, um seine Hinrichtung absegnen zu lassen. Der König fragte ihn jedoch, bevor er irgendetwas sagen konnte:

»Was kann ein König für jemand tun, dem er eine besondere Ehre erweisen will?« (Esther 6,6)

Haman nahm an, der König würde von ihm sprechen und sagte etwas selbstgefällig:

»Für den Mann, dem der König eine besondere Ehre erweisen will,  soll man ein kostbares Gewand bringen, das sonst der König selbst trägt, und ein Pferd mit dem königlichen Schmuck am Zaumzeug, das sonst der König selbst reitet.   Man soll Pferd und Gewand einem der höchsten Würdenträger des Königs übergeben, damit dieser den Mann, den der König ehren will, königlich kleidet und ihn auf dem Pferd des Königs über den großen Platz der Stadt führt. Dabei soll er vor dem zu Ehrenden hergehen und ausrufen: ›So handelt der König an dem Mann, dem er eine besondere Ehre erweisen will!‹« (Esther 6,7-9)

Doch der König meinte nicht ihn damit. Er meinte natürlich Mordechai und trägt Haman auf, genau so mit ihm zu verfahren. Haman wollte Mordechai töten, doch stattdessen musste er ihm die grösste Ehre erweisen.

Doch was liess den König eigentlich in dieser Nacht nicht schlafen? Die Bibel nennt keinen Grund dafür. Aber ich denke die Frage müsste anders gestellt sein. „Wer“ liess den König in dieser Nacht nicht schlafen? Auch auf diese Frage erhalten wir nicht gleich eine Antwort. Ich denke jedoch, dass wir auch hier Gottes wirken erkennen. In der entscheidenden Nacht, als Haman alles für die Hinrichtung vorbereitet hatte, da fand der König keinen Schlaf. Zudem wird ihm auch noch diese Stelle über Mordechai vorgelesen. Kann das alles Zufall sein? Ich glaube nicht. Da hat einer seine Hände im Spiel, der nicht nur dann aktiv ist, wenn wir wach sind, sondern auch unsere Träume unter Kontrolle hat: Gott.

Gottes Wirken IV: Jetzt kommt alles Schlag auf Schlag

Nachdem Haman Mordechai die grösste Ehre erweisen musste, eilte er völlig verstört und mit verhülltem Gesicht nach Hause. Dort erzählte er seiner Frau und allen seinen Freunden, was geschehen war. Diese seine klugen Ratgeber sagten zu ihm: »Wenn Mordechai, mit dem dir das passiert ist, zum Volk der Juden zählt, dann kannst du aufgeben. Dein Untergang ist besiegelt.« Und plötzlich kommt alles Schlag auf Schlag. Noch während sie das sagten, kamen die Diener des Königs, um Haman zum Mahl bei der Königin abzuholen.

Wieder verspricht König Ahasveros Ester, dass er ihr alles geben würde, bis zur Hälfte seines Reiches. Doch diesmal sagt Ester, was sie so tief bedrückt:

»Wenn ich deine Gunst, mein König, gefunden habe und du mir eine Bitte erlauben willst, dann flehe ich um mein Leben und um das Leben meines Volkes. Man hat uns verkauft, mich und mein Volk; man will uns töten, morden, ausrotten! Würden wir nur der Freiheit beraubt und als Sklaven verkauft, so hätte ich geschwiegen und den König nicht damit belästigt.« (Esther 7,3-4)

Der König ist entsetzt:

»Wer wagt so etwas? Wo ist der Mann, der so schändliche Pläne ausheckt?« (Esther 7,5)

Und Ester sagt es ihm:

»Unser Todfeind ist dieser böse Haman hier!« (Esther 7,6)

Der König geht voller Zorn aus dem Haus. Haman fleht bei Ester um sein Leben. Der König kommt zurück, meint nun würde Haman auch noch über Ester herfallen. Die Diener des Königs nehmen ihn gleich fest und einer der königlichen Eunuchen sagt, dass da ja noch der Galgen sei, den Haman für Mordechai aufgestellt habe. An diesem wurde er nun selbst aufgehängt. Der Erlass des Königs die Juden zu töten konnte zwar nicht rückgängig gemacht werden, doch die Juden durften sich offiziell wehren. Viele schlugen sich auf die Seite der Israeliten und so trugen sie einen grossen Sieg davon. Jedoch genügte ein Tag dazu nicht, so dass sie auch am nächsten Tag noch ihre Feinde vernichten durften. Der 13. und 14. Adar wurde zum Feiertag erklärt und das Purim-Fest wurde eingesetzt zum Gedenken an die Bewahrung, welche das Volk erleben durfte.

Schlussgedanken

Wir haben gesehen, dass Gott zwar an keiner Stelle des Buches erwähnt wird. Die Frage ist jetzt noch: Warum ist das denn so? Ich denke es hat folgenden Grund. In dieser Fremdherrschaft vom Volk Israel unter den Asyrern wirkte Gott so fern, dass der Autor bewusst den Namen Gottes wegliess. Die Juden begegneten einem solchen Hass, nicht nur von Haman, sondern auch anderen in der Bevölkerung, dass viele sich wohl in jener Zeit fragten: „Wo ist denn eigentlich Gott?“ Noch ein kleiner Hinweis. Nicht nur Gott wird weggelassen. Auch das Gebet fehlt völlig. Ester liess ein Fasten ausrufen. Doch zu fasten steht oft in der Bibel mit beten zusammen. Doch ich denke, die Leute aus Israel haben auch gebetet. Auch dieses Detail wurde wohl bewusst weggelassen um zu zeigen, dass Gott die Geschichte lenkt ohne dass wir sie entscheidend beeinflussen, auch wenn sich Gott über jedes Gebet freut und auch handelt.

Alle diese Dinge fehlen im Buch Ester, doch Gott wirkt eben auch zwischen den Zeilen. Auch in unserem Leben kann es Zeiten geben, da wirkt Gott enorm fern. Er scheint irgendwo zu sein, aber nicht dort wo ich meine Nöte erlebe, nicht dort wo ich meine Sorgen habe – sei es in der Schule, wo wir vielleicht von jemandem gehänselt werden, in familiären Problemen, im Streit mit einem Freund. Da wirkt Gott oft sehr weit weg. Und auch wir fragen uns vielleicht: „Wo ist denn nun Gott?“ Doch Gott kann auch in unserem Leben zwischen den Zeilen wirken.

Leider hatte sich das Volk Israel von Gott abgewendet und Gott zeigte ihnen mehrfach auf, welche Konsequenzen das haben werde. Er sagte auch, dass es soweit kommen würde, dass sie von fremden Völkern beherrscht würden. Doch Gott sagt auch, durch den Propheten Jeremia:

»Ich, der Herr, bewirke alles, was geschieht; was ich will, das wird Wirklichkeit. Mein Name ist ›Der Herr‹. Wende dich an mich und ich werde dir antworten! Ich werde dir große Dinge zeigen, von denen du nichts weißt und auch nichts wissen kannst. Häuser wurden abgebrochen, sogar die Paläste der Könige von Juda, um die Mauern zu verstärken gegen die Angriffsrampen der Babylonier und um ihren Angriffen besser standhalten zu können. Die anderen Häuser aber wurden mit den Leichen der Menschen gefüllt, die ich in meinem glühenden Zorn erschlagen hatte. Denn ich hatte mich von Jerusalem abgewandt, weil seine Bewohner so viel Böses getan haben. Doch jetzt sage ich, der Herr, der Gott Israels: ›Ich werde die Wunden Jerusalems verbinden und heilen. Ich stelle es wieder her und schenke ihm echten, dauerhaften Frieden. Ja, ich werde für Juda und Israel alles wieder zum Guten wenden und sie wieder zu dem machen, was sie einmal waren. (Jeremia 32,2-7)

In dieser Geschichte von Ester haben die Menschen aus Israel erlebt, dass Gott zu seinem Versprechen steht. Er hat bewiesen, dass er die Geschichte unter Kontrolle hat. Gott hat auch dein Leben unter Kontrolle und wir dürfen wissen, wie das auch Paulus an die Gemeinde in Rom schreibt:

Eines aber wissen wir: Alles trägt zum Besten derer bei, die Gott lieben; sie sind ja in Übereinstimmung mit seinem Plan berufen. (Römer 8,28)

Und wenige Zeilen später schreibt er:

Was können wir jetzt noch sagen, nachdem wir uns das alles vor Augen gehalten haben? Gott ist für uns; wer kann uns da noch etwas anhaben? Er hat ja nicht einmal seinen eigenen Sohn verschont, sondern hat ihn für uns alle hergegeben. Wird uns dann zusammen mit seinem Sohn nicht auch alles andere geschenkt werden?Wer wird es noch wagen, Anklage gegen die zu erheben, die Gott erwählt hat? Gott selbst erklärt sie ja für gerecht. Ist da noch jemand, der sie verurteilen könnte? Jesus Christus ist doch ´für sie` gestorben, mehr noch: Er ist auferweckt worden, und er ´sitzt` an Gottes rechter Seite und tritt für uns ein. Was kann uns da noch von Christus und seiner Liebe trennen? Not? Angst? Verfolgung? Hunger? Entbehrungen? Lebensgefahr? Das Schwert ´des Henkers`? ´Mit all dem müssen wir rechnen,` denn es heißt in der Schrift: »Deinetwegen sind wir ständig vom Tod bedroht; man behandelt uns wie Schafe, die zum Schlachten bestimmt sind.« Und doch: In all dem tragen wir einen überwältigenden Sieg davon durch den, der uns ´so sehr` geliebt hat. Ja, ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch ´unsichtbare` Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch ´gottfeindliche` Kräfte, weder Hohes noch Tiefes, noch sonst irgendetwas in der ganzen Schöpfung uns je von der Liebe Gottes trennen kann, die uns geschenkt ist in Jesus Christus, unserem Herrn. (Römer 8,28.31-39)

Wie heisst es da? Man behandelt uns wie Schafe, die zum Schlachten bestimmt sind. Das war auch in der Zeit von Ester und Mordechai so. Doch dann heisst es weiter: In all dem tragen wir einen überwältigenden Sieg davon durch den, der uns so sehr geliebt hat. Auch das hat das Volk Israel damals erlebt. Gott hat zu ihnen gehalten. Er hat ihnen den Sieg geschenkt. Mit Jesus stehen wir auf der Siegerseite. Er hält treu zu uns und wirkt dabei wie gesagt auch zwischen den Zeilen unseres Lebens, auch dort wo wir ihn vielleicht nicht erkennen können.

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