490 mal (Vergebung Teil 4)

Wie viel mal muss man jemandem vergeben? Gibt es ein Limit, ist irgendwann genug oder muss man tatsächlich bis zum bitterem Ende Vergeben?
Diese Frage hat auch Petrus, an Jesus gestellt.

Matthäus 18, 21 Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal?
22 Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzig mal siebenmal.

Petrus möchte hier wissen, wann dann genug oder zu viel vergeben wurde. Er denkt, einmal ist sicher zu wenig, zweimal sicher auch, aber Siebenmal, dann muss doch endlich Schluss sein. Nach Sieben mal muss eine Vergebung sicher nicht mehr möglich sein!
Petrus denkt hier, wie wir heute auch, irgendwann muss doch die Geduld ein Ende haben, irgendwann muss doch Schluss sein mit der ständigen Nachsicht. Wenn jemand nach siebenmal immer noch nicht verstanden hat, dann ist das doch hoffnungslos und demzufolge ist keine Vergebung mehr möglich.
Doch die Antwort von Jesus folgt prompt, er soll nicht nur siebenmal vergeben, sondern siebenmal siebzig mal (1), also unglaubliche 490-mal.
Doch meinte hier Jesus wirklich eine endliche Anzahl, gibt es wirklich ein Limit, ab der eine Vergebung nicht mehr nötig oder sogar möglich ist. Gilt dieses Limit auch bei Gottes Vergebung?
Würden wir unsere immer wiederkehrenden Sünden und Fehltritte zusammenzählen, wäre 490-mal sicher eine sehr hohe Zahl, um diese mit immer derselben Sünde zu erreichen, es würde sicherlich einige Zeit gehen. Doch was passiert, wenn wir das 491ste mal gesündigt haben? Was ist, wenn ich mich bei einer Sünde verzählt habe und jemandem schon ab der 489 Sünde nicht mehr vergebe? Hat Gott tatsächlich für jede einzelne Vergebung eine Strichliste, bei der es ab 490 Feuer vom Himmel regnet und den Sünder vernichtet?

Wir sind hier also in einem Dilemma, so viele Strichlisten können nicht geführt werden, um zu sehen wann dann jemand zu viel gesündigt hat.
Gott könnte dies, aber müssten wir dies als Menschen machen, es wäre nicht genug Papier vorhanden um die Strichlisten zu führen.
Die Stelle muss uns also etwas Anderes aussagen, deshalb will ich diese nun genauer anschauen.

Im Judentum, war die Zahl Sieben eine besondere Zahl, Sie symbolisierte die Vollkommenheit (2). Wie viele wissen, symbolisiert 777, Gott. Wenn die Zahl Sieben nun Vollkommenheit bedeutet, ist eine Multiplikation der Zahl sicherlich noch einmal eine Stufe höher. Was Jesus hier also meint, ist, dass unsere Vergebung mehr als Vollkommen sein muss.

Hat nun Vollkommenheit ein Limit?
Wenn wir die Vollkommenheit aus Gottessicht anschauen, dann ist Gott ohne Limit und ohne Ende, somit ist die Vergebung in diesem Kontext auch ohne Limit und somit Unendlich.
Es geht also bei der Vergebung keine Grenze, Jesus sagt Petrus, dass die Vergebung so viel gemacht werden muss, wie es eben nötig ist. Nur dann ist eine Vergebung auch vollkommen. Ein Vergeben mit einer Grenze, wäre kein Vergeben, sondern eine «Du kommst aus dem Gefängnis Frei Karte» die irgendwann verbraucht ist. Um genau dies geht es Jesus hier.

Eine weitere stelle befasst sich mit der Anzahl Vergebungen.

Lukas 17, 3 Hütet euch! Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht; und wenn er es bereut, vergib ihm. 4 Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigen würde und siebenmal wieder zu dir käme und spräche: Es reut mich!, so sollst du ihm vergeben.

Auch hier finden wir wieder die Zahl Sieben, und auch hier ist Sie als symbolische Zahl und nicht als fixes Limit gedacht. Hätte Jesus hier ein Limit gemeint, hätte er noch angefügt «Beim achtem Mal da ist aber Schluss».

Lesen wir die erste Stelle weiter, fügt Jesus noch ein Gleichnis an um das mit der Vergebung zu verdeutlichen.

Matthäus 18, 23 Darum gleicht das Himmelreich einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. 24 Und als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war ihm zehntausend Zentner Silber schuldig.25 Da er’s nun nicht bezahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und damit zu bezahlen. 26 Da fiel ihm der Knecht zu Füßen und flehte ihn an und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir’s alles bezahlen. 27 Da hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht und ließ ihn frei und die Schuld erließ er ihm auch.

Ein Mann hatte unermessliche Schulden bei einem König angehäuft, die Zahl ist hier so hoch, dass dieser Betrag wahrscheinlich von niemandem zur damaligen Zeit auch nur annähernd aufgebracht werden konnte. Der Mann hatte also einfach gesagt, unendlich Schulden. Doch der König erlässt ihm die Schuld. Der Mann hat solch eine Güte sicherlich nicht verdient.

28 Da ging dieser Knecht hinaus und traf einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Silbergroschen schuldig; und er packte und würgte ihn und sprach: Bezahle, was du mir schuldig bist! 29 Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir’s bezahlen. 30 Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was er schuldig war.

Der Mann ging fröhlich aus dem Palast und sah ein Mitknecht, der bei ihm Schulden hatte. Die 100 Silbergroschen, waren dabei mit ein bisschen sparen realistisch aufbringbar. Die Schuld war also ungleich kleiner als dem Mann kurz zuvor erlassen wurden. Trotzdem kennt der Mann keine Gnade, sondern er wirft den Schuldner ins Gefängnis.

31 Als aber seine Mitknechte das sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten bei ihrem Herrn alles vor, was sich begeben hatte. 32 Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich gebeten hast; 33 hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe? 34 Und sein Herr wurde zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis er alles bezahlt hätte, was er ihm schuldig war.35 So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr einander nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder.

Die Geschichte endet, damit, dass der König Wind von der Sache bekommt. Er stellt den Mann zur Rede und weist ihn zu Recht, auch muss er nun die Schuld die eigentlich unbezahlbar war, abarbeiten bis diese beglichen wird.

Was sagt uns dieses Gleichnis über die Vergebung aus?
Auch wir haben unbezahlbare Schuld auf uns geladen, Schuld welche wir bei Gott (Dem König) haben. Ein Abarbeiten dieser Schuld ist nicht möglich, zu gross ist diese. Diese Schuld ist die Sünde die jeder Mensch täglich macht, schon eine Sünde reicht aus um uns von Gott zu trennen, doch wir haben viel mehr als nur eine Sünde auf unserem Konto. Doch Jesus hat für uns diese Schuld beglichen, er hat uns Freigekauft und wir können wieder zu Gott kommen.

Doch wenn wir, wie der Mann im Gleichnis, unseren Mitmenschen die ungleich kleineren Schulden nicht vergeben, dann uns die Vergebung von Gott auch nicht zu.
Denn Jesus hat uns eine unbezahlbare Schuld vergeben, wie können wir uns anmassen, nach dieser wunderbaren und Gnädigen tat. Einem Mitmenschen der nur etwas sehr viel Kleineres schuldet, nicht vergeben zu wollen.
Bei Gott gibt es kein Limit der Vergebung und dasselbe gilt auch für uns. Unsere Vergebung soll im Beispiel Gottes geschehen.
Wir haben Vergebung nicht verdient doch aus Gnade können wir Sie erhalten, deshalb sollen wir auch zu unseren Mitmenschen so gnädig sein wie Gott zu uns gnädig ist.
Denn die Schuld welche die Mitmenschen uns zuführen können, ist immer ungleich kleiner, als die Schuld welche uns Gott erlassen hat.

Wo haben wir noch ausstehende Vergebungen, wo werfen wir andere Menschen immer noch ins «Gefängnis» der Unverzeihbarkeit?

Vergebung kann manchmal sah schwer sein, ich habe dies zu genügend selbst erlebt. Doch ist ein „von Herzen Vergeben können“, etwas unbeschreiblich befreiendes. Vergebung führt uns und unsere Mitmenschen zur Freiheit, eine Freiheit wie Sie Gott für uns wünscht. Fangen wir noch heute damit an unseren Offenen Schuldiger zu Vergeben.

Dann können wir auch diesen Teil im Vater unser, von ganzem Herzen Beten

Matthäus 6,12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Denn nicht 490 mal sollen wir vergeben, sondern vollständig und vollkommen, wie Gott uns auch vollständig und vollkommen vergibt.

 

 

 

 

 

1 In Manchen Übersetzungen auch 77 mal, die aussage ändert sich jedoch nicht.
2 Mehr zu Zahlensymbolik findet man auf Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Zahlensymbolik#Zahlensymbolik_in_der_Bibel
Alle Bibelstellen nach Schlachter 2000

 

 

4 Gedanken zu “490 mal (Vergebung Teil 4)

  1. René Graf

    Hey, danke für deinen Beitrag.

    In der Fussnote hast du angegeben: „In Manchen Übersetzungen auch 77 mal, die aussage ändert sich jedoch nicht.“ Das ist vollkommen richtig, dass sich an der Aussage selbst nichts ändert. Es gibt ein konkretes Merkmal, das eher für die Übersetzung von „siebenundsiebzig mal“ anzuführen wäre. Die ntl. Stelle ist eigentlich unklar. Würde es sich um 490 mal handeln – siebzigmal sieben (mal) müsste man im griechischen Text eigentlich hinter sieben auch das Wort „mal“ erwarten, welches aber fehlt. Bei „siebenundsiebizig mal“ dürfte man jedoch ein „und“ dazwischen erwarten, welches aber auch fehlt. Es gibt jedoch eine alttestamentliche Stelle, die uns als Parallele dienen kann. Es geht dabei darum, dass wenn Kain siebenmal gerächt wird Lamech siebenundsiebzig mal gerächt wird (1. Mose 4,24). Hier finden wir die Verbindung durch „und“. Es ist anzunehmen, dass die neutestamentliche Stelle eine Umkehrung der alttestamentlichen Stelle darstellt. Aus der siebenfachen und siebenundsiebizigfachen Rache wird eine siebenfache und siebenundsiebzigfache Vergebung.

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    1. Hallo Rene, Danke für deinen Kommentar. Ich denke 77mal würde tatsächlich besser passen, leider bin ich griechisch nicht versiert um dies zu untermauern. Dies mit Lamech hatte ich dabei auch im Kopf, jedoch dann nicht mehr so verfolgt. Cool das du es gemacht hast 😉

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      1. René Graf

        Hier noch eine etwas detailiertere Ausführung dazu: Bei Lamech steht in der hebräischen Sprache שִׁבְעִ֥ים וְשִׁבְעָֽה (sivim we’sivah). Die beiden Worte siebzig und siebenfach werden hier mit dem hebräischen Konjuktion „we“ (Buchstabe „waw“) verbunden, in diesem Zusammenhang steht die Konjuktion, welche unterschiedliche Bedeutungen haben kann, für „und“. Also wörtlich müsste man „siebzig und siebenfach“ oder zu gut Deutsch mit „siebenundsiebzig mal“ übersetzen.

        Interessanterweise wird bei dieser Stelle (1. Mose 4,24) in der griechischen Übersetzung (Septuaginta – LXX) der gleiche Ausdruck wie im NT (Mt 18,22) verwendet. An beiden Stellen steht also ἑβδομηκοντάκις ἑπτά (wörtlich siebzigmal sieben). Also ohne ein „kai“ (und) und ohne den Zusatz „sieben (mal)“. Dieser Ausdruck ist unklar, wie ich das bereits im vorhergehenden Kommentar erläutert habe. Aufschluss darüber gibt uns der hebräische verwendete Ausdruck in Verbindung mit der Septuaginta.

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