Ein Gott der Hasst?

Eine Bemerkung, die viel in Diskussionen fällt, ist, dass der Gott im Altem-Testament ja auch hasst und demzufolge gar nicht Lieben kann. Das dieser Gott, also konkret gegen das Gottesbild im NT wiederspricht.
Hier wird häufig die Stelle im Maleachi hinzugezogen.

Maleachi 1
3 Ist nicht Esau Jakobs Bruder? Spricht der Herr. Dennoch habe ich Jakob geliebt, Esau aber habe ich gehaßt; und sein Gebirge habe ich zu einer Wildnis gemacht und sein Erbteil den Schakalen der Wüste gegeben.

Aber auch im Neuem-Testament finden wir einen Aufruf zum Hass, nämlich im

Lukas 14
26 Wenn jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater und seine Mutter, seine Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein.

Wie lässt sich dies also mit einem liebendem Gott vereinbaren, lehrt uns die Bibel hier nicht genau das Gegenteil?
Dies sind durchaus sehr wichtige Fragen, welche nicht immer einfach zu beantworten sind, gibt es doch auch unter Theologen verschiedene Ansichten dazu.
Ich möchte hier meine Ansicht vorbringen, welch für mich anhand meines Verständnisses am zutrefendsten scheint.

Hass mit Liebe?

Damit wir uns diesem schwierigen Thema, nähern können. Müssen wir zuerst wissen, wie Hass und Liebe zusammenpasst.
Wenn Gott die Liebe ist, wie kann dann überhaupt etwas von Hass in Ihm sein. Trotzdem gibt es viele Stellen, wo Gott klar sagt, dass er Hasst, verabscheut oder etwas ein Gräuel für Ihn ist. Schauen wir uns solche stellen an, hat dies immer mit Sünde zu tun. Gott verabscheut taten, welche Sündhaft sind, er Hasst sündhaftes verhalten wie z. B. Götzendienst, Diebstahl, Mord, Betrug usw. Gott hasst also so einiges, doch im Grundsatz können wir aber sagen, dass Gott die Sünde hasst.

Dieser ganze Hass gegen die Sünde ist dabei so zentral in der Bibel, dass sich dies nicht wegdiskutieren lässt.
Gott die Liebe, hasst also.
Doch wie passt Liebe und Hass zusammen.
Dies kann man am besten anhand eines Beispiel erklären.
Liebt einen Ehemann seine Frau, so hasst er automatisch alles, was seiner Frau Schaden zufügen kann, oder die Liebe behindern/stören kann. Geht die Frau nun fremd, so wird der Mann im Normalfall diese Tat Hassen, doch weshalb hasst er diese Tat, der einzige Grund ist, weil er die Frau Liebt und das Fremdgehen diese Liebe Zerstört. Wie also der Ehemann, aus Liebe, hasst, so ist dies bei Gott. Gott, hasst alles, was Sünde ist, denn Sünde ist die Trennung von Gott, es ist das Hindernis, welches seiner Liebe im Weg steht und genau deshalb hasst und verabscheut Gott dies zu tiefst. Weil seine Liebe Perfekt ist, ist auch sein Hass gegen die Sünde nicht einfach wegzuwischen.

Wie kann Liebe Hassen?

Vollkommene Liebe muss also Hassen. Dies ist natürlich eine sehr gewagte Aussage, doch alles andere als ein Hass der Sünde und damit des Hindernisses, der Liebe. Wäre keine Liebe, sondern Gleichgültigkeit.
Wie wir aber in den vorherigen Beiträgen schon entdeckt haben, ist Gott kein Gott der Gleichgültigkeit. Vielmehr ist er, ein Gott, der sich um seine Schöpfung kümmert, der alles dafür gibt und er nicht ertragen kann, wenn etwas seiner vollkommenen Liebe im Weg steht.
Hass in Liebe ist also nicht nur möglich, sondern auch in einem gewissen Rahmen absolut notwendig.

Willkürlicher Hass?

Wir wissen nun also, dass Gottes Liebe und Hass keinen Widerspruch ist. Doch ist dieser Hass immer gegen die Sünde gerichtet. Doch wie erklären wir dann die Stelle im

Maleachi 1
3 Dennoch habe ich Jakob geliebt, Esau aber habe ich gehasst;

hier richtet sich der Hass ja nicht gegen die Sünde, sondern direkt gegen eine Person. Weshalb hasst Gott Esau einfach so?
Finden wir hier das Argument um Gott als willkürlicher Tyrann darzustellen?
Um die Stelle besser zu verstehen, müssen wir mehrere Punkte anschauen. Machen wir eine Wortstudie, so ist das hebräische Wort hier (śā·nê·ṯî), durchaus mit Hassen zu übersetzen. Derselbe Wortstamm wird auch bei anderen Stellen verwendet. Unter anderem auch im

1. Mose 29
30 So ging er auch zu Rahel ein; und er hatte Rahel lieber als Lea. Und er diente ihm noch weitere sieben Jahre lang.
31 Als aber der Herr sah, dass Lea verschmäht (śə·nū·’āh) war, da öffnete er ihren Mutterschoß; Rahel aber war unfruchtbar.

Im Vers 31, wird Lea als verschmäht(Gehasst) bezeichnet, im Vers 30 wird beschrieben, das Jakob Rahel lieber als Lea hatte. Es ist also hier nicht so, dass Jakob, Lea grundsätzlich gehasst hatte, wie wir heute Hass auslegen würden. Es ist hier mehr als «Nicht so fest geliebt» oder «Weniger geliebt» zu betrachten, denn hätte Jakob Lea wirklich abgrundtief gehasst, so hätte er wohl kaum so viele Kinder mit Ihr gezeugt.

Lukas 14, ist also so zu deuten, dass wir nicht aktiv unsere Mitmenschen verabscheuen sollen, sondern Gott viel mehr Lieben sollen als eben die Mitmenschen oder unser eigenes Leben. Wir sollen Gott so fest Lieben, dass unsere Liebe zu den Mitmenschen im Vergleich als Hass wahrgenommen werden kann.

Nehmen wir dieses Wissen wieder zurück zum Maleachi, dann können wir den Fokus auf die Liebe zu Jakob legen. Gott hat Jakob auserwählt, dass er die Segens-linie weitertragen soll, nicht wie Esau welchem eigentlich als Erstgeborenem dieses Recht zustehen würde. Doch Gott hat in seiner Souveränität entschieden, dass Jakob den Segen erhalten wird. Somit hat Esau tatsächlich weniger Liebe/Segen erhalten. Im Licht von 1. Mose29, können wir nun davon ausgehen, dass Jakob durch den Segen Gottes, ganz bestimmt auserwählt und geliebt wurde, dies bedeutet aber nicht, das Gott Esau Abgrundtief gehasst hat. Sondern er hat einfach nicht den Segen erhalten wie Jakob. Wer Gott segnet, steht dabei alleine Ihm zu, Segen ist immer ein Bonus, und steht weder Jakob noch Esau zu, trotzdem hat Gott Jakob aus Gnade und Liebe ganz bestimmt gesegnet. Schauen wir uns die Geschichte von Esau an, dann scheint es auch nicht so, als wäre Esau von Gott Abgrundtief gehasst worden. Hatte er doch bei der Begegnung mit Jakob, sehr viel Besitz und Macht erlangen[1]. Hätte Gott Esau wirklich Abgrundtief gehasst, würden wir hier mehr einen gebrochenen vereinsamt und verarmten Esau erwarten, denn wenn Gott jemanden Hasst, dann würde er es sicher auch vollständig machen.
Wir müssen uns ausserdem vor Augen halten, dass diese Stelle im Kontrast zu Gottes Liebe für Israel steht. Diese Stelle, beantwortet die Frage „Womit Gott Israel dann geliebt hat?“. Hier soll auch hervorkommen, das Israel eben genau aus reiner Gnade Geliebt ist und nicht weil Sie es verdient hätten.

Paulus und Maleachi

Nun finden wir den Maleachi Vers auch von Paulus zitiert.

Römer 9
13, wie auch geschrieben steht: »Jakob habe ich geliebt, Esau aber habe ich gehaßt«.
14 Was wollen wir nun sagen? Ist etwa Ungerechtigkeit bei Gott? Das sei ferne!
15 Denn zu Mose spricht er: »Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und über wen ich mich erbarme, über den erbarme ich mich«.

Römer 9 ist ein sehr Heisses Pflaster, wird darauf doch viel auch die sogenannte Prädestination lehre begründet. Diesem Thema möchte ich mich hier aber nicht Widmen. Sondern anschauen um was es Paulus hier genau geht und weshalb er die Stelle aus Maleachi zitiert.

Paulus beschreibt hier die Segens-linie, von Abraham aus, er beschreibt dies, um deutlich zu machen, dass die Gnade Gottes nicht an Erbschaftsfolgen und weltlichen Sachen festzumachen ist. Sondern alleine durch Gottes grosse Gnade und Liebe. Dass die Segens-linie an Jakob übergeben wurde, ist alleine aus Gottes willen geschehen und nicht, weil Jakob oder Esau besser/schlechter war, denn diese Entscheidung wurde schon vor Ihrer Geburt gefällt. Paulus macht hier deutlich, dass eine Errettung durch Taten nicht funktioniert. Alleine durch Gnade wurde Jakob erwählt die Segens-linie weiterzutragen.

Wenn Gott hier Esau aber nicht erwählt, bedeutet dies nicht, dass Esau deshalb gehasst wurde im Sinn von, total verworfen. Denn nur, weil der Abrahamitische Segen an Jakob, anstelle Esau weitergegeben, ist dies keine totale Verwerfung im Sinne unserem heutig verwendetem «Hass». Gott hat in seiner Souveränität einfach eine Entscheidung getroffen und diese Entscheidung hat nichts mit Fair/Unfair zu tun, sondern mit Gnade und Liebe. Grundsätzlich hätte nämlich niemand die Gnade verdient.

Der Fluch gegen Esau

Lesen wir im Maleachi jedoch weiter, so finden wir auch einen Fluch gegen «Esau» oder seine Nachkommen Edom.

Maleachi 1
3 …und sein Gebirge habe ich zu einer Wildnis gemacht und sein Erbteil den Schakalen der Wüste gegeben.
4 Wenn aber Edom sagt: »Wir sind zwar zerstört, wir wollen aber die Trümmer wiederaufbauen!«, so spricht der Herr der Heerscharen: Sie mögen bauen, ich aber werde niederreißen; und man wird sie nennen: »Land der Gesetzlosigkeit« und »das Volk, über das der Herr ewiglich zürnt«.
5 Wenn eure Augen das sehen, so werdet ihr sagen: Der Herr sei hochgepriesen über Israels Grenzen hinaus!

Weshalb wird hier dieser Fluch gegen Edom gesprochen. Dazu müssen wir ein paar geschichtliche Aspekte von Edom zu-Hande ziehen.
Edom war Israel immer feindlich eingestellt, obwohl es ein Brudervolk von Israel war, hat Edom immer wieder Krieg geführt. Auch hat Edom beim Auszug aus Ägypten aktiv gegen Israel gestellt. Erstaunlicherweise, gibt Gott jedoch Israel den Befehl Edom nicht Böse eingestellt zu sein.

5. Mose 23
8 Den Edomiter sollst du nicht verabscheuen (ṯə·ṯa·‘êḇ), denn er ist dein Bruder…

Wenn Gott Edom grundsätzlich Hassen würde, dann hätte er sicher nicht solch ein Befehl erlassen. Der Fluch gegen Edom, muss also mit seiner Schuld und Sünde zu tun haben. Weil Edom sich permanent gegen Gottesvolk und damit gegen Gott gestellt hat, hat Gott die Konsequenzen gezogen. Die Konsequenzen hat Gott jedoch auch bei Israel ziehen müssen. Dieser Fluch hier ist also das gerecht zustehende Gericht, welches Edom sich selbst zuzuschreiben hat. Nehmen wir wieder die Erkenntnis vom Anfang zur Hand, dass Gott die Sünde hasst, so ist es auch erforderlich, das Sünde Konsequenz hat und diese Konsequenz trägt jeder Mensch nicht nur Edom.

Ein Gott der aus Liebe Hasst

Wir haben nun gesehen, dass Gott durchaus hasst, allerdings, nie zu Unrecht und schon gar nicht willkürlich. Gott hasst jede Sünde, aber liebt seine Schöpfung. Alleine aus seiner Liebe und Gnade, hat er einen Ausweg aus der Sünde geschaffen. Er selbst hat die Konsequenz der Sünde auf sich genommen, er hat uns freigekauft mit seinem eigenen Blut. Nicht aus unseren Taten haben wir es verdient gerettet zu werden, sondern alleine aus Gottes Liebe und Gnade. Niemandem, weder Jakob, Esau, dir, noch mir steht ein Anrecht auf Gottes Liebe und Gnade zu. Die Liebe ist alleine aus Gottes freien Willen und Sie ist so gross, dass er diese Jedem anbietet. Doch diese Liebe erfordert einen konsequenten und abgrundtiefen Hass gegen alles, was diese Liebe verhindert. Jede Sünde ist Trennung von Gott und jede Trennung von Gott, verhindert das Ausleben dieser Liebe und erfordert Konsequenzen daraus.
Gottes Hass, richtet sich gegen diese Trennung, doch seine Liebe richtet sich an uns.
Er möchte uns von der unüberwindbaren Schuld, welche uns von Ihm trennt befreien. Er nimmt alle Konsequenzen auf sich, für dich.
Du darfst dieses Angebot nur annehmen.
Gott ist kein willkürlicher Tyrann, sondern er ist der, welcher aus vollkommenen Liebe, die Konsequenzen auf sich nimmt, welche uns eigentlich, zurecht, zustehen würden.

 

[1]1. Mose 33, 9
Alle Stellen nach Schlachter 2000

 

5 Gedanken zu “Ein Gott der Hasst?

  1. Hallo, auch ich finde es gut, dass du aufgezeigt hast, dass man Begriffe, wie wir sie in der Bibel als Übersetzung finden, erst einmal definieren muss, bevor man sie auslegen will.
    Das von dir gewählte Beispiel Hass zeigt gut auf, wie sehr sich die Sinnfüllung dieses Wortes verändert hat. Wir verbinden heute mit diesem Begriff eher eine hoch emotionale, eher kaum beherrschbare und hoch destruktive Haltung. Doch noch nicht einmal so lange her, hatte dieser Begriff eine viel breitere Bedeutung.
    Wir dürfen auch nie vergessen, dass jeder Übersetzer (der Bibel) immer auch seinen kulturellen und zeitlichen Prägungen, sowie seinen Überzeugungen (auch theologischen Überzeugungen) unterliegt und daraus heraus übersetzt.
    Danke für die Arbeit 🙂
    Gruß, Charly

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    1. Danke, ich hatte Ferien und da habe ich ein bischen mehr Zeit gehabt 🙂 Alls ich den Vers das erste mal las, wusste ich zuerst nicht in welche richtung es gehen wird. Da gab es sehr viele fragen. Das findi ich das tolle, wie ich selbst sehr viel neues erkennen und lernen darf wen ich solch ein beitrag schreibe, noch toller ist es wenn dadurch dann auch noch andere ermutigt werden konnten.

      Gefällt 1 Person

      1. Ja, das geht mir auch oft so, dass sich beim Schreiben die Gedanken ordnen. ich lese gerade Jesaja, und da ist mir auch ganz doll aufgefallen, welchen Hass Gott entwickelt auf alles, was die Beziehung zwischen ihm und seinem Volk kaputt macht, und zwar egal, ob es von außen oder von innen kommt.

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  2. Pingback: Ein Gott der Hasst? - Christliche Blogger Community

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