Chancen und Grenzen: Eine theologische Betrachtung der Künstlichen-Intelligenz im Blick auf die Ebenbildlichkeit des Menschen

Einleitung

Diese Ausarbeitung wurde für das Dogmatik Modul am tsc erstellt. Da ich aktuell ein grosses Defizit in der theologischen Auseinandersetzung mit dem Thema KI sehe, habe ich mich dazu entschlossen diese Arbeit hier öffentlich zu machen. Die Arbeit soll dabei als Diskussionsgrundlage dienen, Sie ist in keiner weise vollständig und beachtet nur einen sehr kleinen ausschnitt dieses sehr breiten Themengebietes. Bei Fragen zum Thema kann man gerne mit mir Kontakt aufnehmen oder einen Kommentar hinterlassen.

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung und Methode

Künstliche Intelligenz (KI) ist ein sehr aktuelles Thema. Kaum ein Tag vergeht, an dem keine News über neue leistungsfähige Algorithmen, autonome Autos oder Kampfroboter geschrieben werden. Dabei gibt es schon längst Diskussionen über die Stellung des Menschen zu KIs und deren ethische und juristische Beurteilung z. B. bei Unfällen. Auch soziologisch wurde dieses Thema bereits behandelt, da die Ablösung der Arbeiter durch Roboter und Algorithmen zwangsläufig auch zu einer Änderung der Gesellschaft führen wird. Verliert der Mensch seine Stellung als Krone der Schöpfung, ja sogar seine eigentliche Relevanz? Schafft er sich selbst ab? All diese Fragen werden diskutiert. Doch dieses aktuelle Thema ist in der Theologie noch immer ignoriert, obwohl diese Fragen uns auch in unseren Kirchen begegnen werden. Wie soll ich als Christ mit autonomen Systemen umgehen? Kann ein Roboter z. B. eine Predigt halten oder sogar einen Segen sprechen, wie dies kürzlich in Wittenberg gemacht wurde?[1] In diesem Artikel kann nur auf einen Bruchteil dieser Fragen eingegangen werden, jedoch soll dieser dazu dienen, das Gespräch über den Einfluss von KI und Autonomen Systemen in unserer Gesellschaft, auch Theologisch anzugehen. Dazu wird zuerst in einem dogmatischen Teil die Frage nach der Ebenbildlichkeit des Menschen und seine daraus resultierenden schöpferischen Fähigkeiten und Möglichkeiten ausgeführt. Danach soll in einem ethischen Teil auf die Frage nach den Grenzen und Chancen von dem schöpferischen Handeln des Menschen, speziell auf die Entwicklung der KIs eingegangen werden,

Selbstverständlich können mit solch einer Ausarbeitung nur die Grundlagen angegangen werden. Jedoch soll dies als Sprungbrett für weiter Arbeiten und Diskussionen Dienen.

2 Dogmatische Hinführung

Um die Grenzen und Chancen der Erschaffung von KIs aus der christlichen Sicht angehen zu können, muss zuerst der Frage nachgegangen werden, woher unsere Möglichkeit zu schöpferischem Handeln kommt und in was diese begründet ist. Dabei spielt die Ebenbildlichkeit eine zentrale Rolle, diese soll hier vorwiegend im Aspekt des schöpferischen Handelns des Menschen angeschaut werden.

2.1 Einführung in die Ebenbildlichkeit

Der Mensch wurde nach Gen 1,27 zum Bilde Gottes erschaffen. Dabei lässt der Text offen, was diese Ebenbildlichkeit denn genau ausmacht, viel mehr will er die Funktion davon beleuchten. Darunter fällt auch die Herrschaft über die Schöpfung und deren Erhaltung und Bebauung (Gen 2,15).[2] Die Ebenbildlichkeit wurde auch nicht durch den Sündenfall zerstört, da nach Gen 9,6, das Verbot zum Vergiessen von Menschenblut auf der Ebenbildlichkeit begründet ist. Dieses Gebot wurde nach der Sintflut Noah gegeben, also nach dem Sündenfall. Auch im NT finden wir die Ebenbildlichkeit (Jak 3,9;1Kor 11,7). Da nun die Ebenbildlichkeit auch nach dem Sündenfall noch vorhanden ist, stellen sich zwei grundlegende Fragen. Was ist die Ebenbildlichkeit genau und welche Funktion ergibt sich daraus? Wie vorhin angesprochen, schweigt Gen 1 über das genaue Wesen der Ebenbildlichkeit, jedoch gibt sie Hinweise auf deren Funktion. Für den weiteren Teil dieser Arbeit will ich mich deshalb vor allem auf die Funktion der Ebenbildlichkeit beschränken, da diese auch für die Hauptfrage wichtig ist.

2.1.1 Das Kulturmandat

„Die Bibel spricht grundsätzlich von einem zweifachen Mandat Gottes für den Menschen.“[3] Das eine Mandat ist ein allgemeines Mandat an alle Menschen. Dieses Mandat wird in der Genesis definiert und an Adam stellvertretend für alle Menschen übergeben. Das zweite Mandat ist im NT definiert und betrifft das Evangelium.[4] Für diese Ausarbeitung reicht es demnach, auf das erste Mandat einzugehen.

Nachdem Gott den Menschen geschaffen hat (Gen 1,26f), gibt Gott ihm einen Auftrag. Dieser beinhaltet die Bevölkerung, das Unterwerfen und Beherrschen, das Bebauen und das Erhalten der Welt (Vgl. Gen 1,28.2,15).[5] Grundsätzlich lässt sich dieser Auftrag mit Kultur umschreiben, die Kultur soll dabei dem Menschen nützen und ihm Sicherheit geben. „Der Mensch ist verantwortlich für den Aufbau einer gesunden Kultur, in der er […] gemäß der moralischen Ordnung und dem schöpferischen Zweck Gottes leben kann.“[6] Dieses Mandat bleibt auch nach dem Sündenfall bestehen, wie wir in Gen 9,7f durch die Wiederholung des Mandates sehen können.

Doch was ist unter Kultur überhaupt zu verstehen?

„Den Menschen gibt es nicht in einem kulturlosen Ur- oder Naturzustand. Er ist ein ‚Mängelwesen‘ und hat sich deshalb allzeit Kultur aufbauen müssen […]. Um zu überleben, muss sich der Mensch vorsehen, die angeborenen Mängel ausgleichen und Kultur aufbauen.“[7] Dass der Mensch also als Kultur-schaffendes Wesen auftritt, ist ein überlebenswichtiger Auftrag, ohne Kultur würde der Mensch im Gegensatz zum Tier nicht überlebensfähig sein. Dabei ist der Kulturbegriff sehr breit zu definieren. Das Bauen von Häusern, Kochen, Pflanzen, Forschen oder Singen, alles gehört zur Kultur. Das kulturelle Schaffen des Menschen ist also eine Notwendigkeit zum Überleben, dementsprechend ist dieses Mandat auch für alle Menschen gültig und notwendig. Es lässt sich hier noch anmerken, dass das zweite Mandat, das Evangelium, genauso überlebenswichtig, wenn auch vor allem eschatologisch, ist. Die Sünde führt zum Tod (Röm 6,23), das Evangelium (Christus) jedoch zum Leben.

2.2 Die schöpferische Fähigkeit des Menschen

Das Kulturmandat umfasst neben dem Bevölkern und Bewahren auch das Bauen. Dieses „bebaue“ von der Hebräischen Wurzel (עבד) bedeutet auch: dienen, einen Gott verehren, tun, machen.[8] Es ist also nicht als zerstörerisches Bebauen gedacht, sondern als erhaltende Notwendigkeit und im weitesten Sinne auch als Dienst Gottes. Der Mensch soll bebauen, um zu bewahren. Dieses Bebauen umfasst dabei das gesamte schöpferische Handeln des Menschen. Aus der Ebenbildlichkeit Gottes geht die Fähigkeit schöpferisch tätig zu sein hervor. Der Schöpfer (Gott) schafft ein Geschöpf (Mensch), welches, wie er, eine schöpferische und bewahrende Macht erhält. Diese Macht setzt dabei auch eine gewisse Freiheit[9] und damit aber auch eine Verantwortungsfähigkeit voraus. Diese machtvolle Freiheit des Menschen setzt wiederum eine unendliche Freiheit Gottes voraus und gleichzeitig aber auch eine Grenze des schöpferischen Handelns des Menschen. Die menschliche Freiheit wird also eingegrenzt. Für das Schaffen Gottes ist dabei im Hebräischen ein eigener Begriff reserviert; „bara“. Das menschliche Schaffen kann zwar das Tun, Formen, Gestalten und Bilden Gottes teilen, nicht jedoch das mit „bara“ umschriebene, vollständig-neues-schaffen.[10] Die schöpferische Fähigkeit des Menschen ist somit an Grenzen gebunden. Zum einen an die Grenze seines Mandates (Bebauen, um zu bewahren) zum anderen aber auch an die Grenze seiner Möglichkeiten (Erschaffen von vollständig neuem). Diese Begrenztheit des menschlichen Tuns kommt auch in (Pred 1,9) hervor. Der Mensch ist in seinem schöpferischen Wirken nur fähig, auf schon Gewesenes zurückzugreifen, etwas gänzlich Neues zu erschaffen ist ihm unmöglich.[11]

2.3 Der Zweck des schöpferischen Handelns

Vor diesem Hintergrund ist nun die Frage zu beantworten, wofür das schöpferische Handeln des Menschen notwendig ist. Den ersten Aspekt (zur reinen Lebenserhaltung) haben wir bereits behandelt, jedoch ist wohl der grösste Teil unseres schöpferischen Handelns nicht unbedingt überlebenswichtig. Hier lässt sich z. B. auch die Technik ansiedeln. Es gibt viele Menschen, die gänzlich ohne Computer überleben können. Er erleichtert uns das Leben in vielen Teilen, unverzichtbar ist er jedoch für die meisten nicht.[12] Trotzdem werden jährlich Milliarden in die Entwicklung davon gesteckt und viele Menschen widmen ihr Leben dessen Erforschung und Entwicklung. Für ein Überleben der Spezies Mensch ist dieses Handeln jedoch nicht zwingend notwendig. Anders sieht es z. B. mit dem Herstellen von Kleidern aus. Ohne Kleidung würde wahrscheinlich ein Grossteil der Menschheit nicht lange überleben. Das schöpferische Handeln des Menschen kann also sowohl für lebensnotwendige als auch für lebens-vereinfachende Handlungen gebraucht werden. Weiter jedoch auch als lebenzerstörendes Werk, wie z. B. Waffen oder Gifte, oder in der Form von lebensverschönerndem wie z. B. Musik oder Kunst. Die schöpferische Fähigkeit des Menschen ist demzufolge innerhalb der vorhin definierten Grenzen sehr frei.

2.3.1 Gottes Verwendung für das menschliche schöpferische Handeln

Im AT verwendet Gott das schöpferische Handeln des Menschen immer wieder für seine Zwecke und Pläne. Als Beispiele sind hier Noah, Moses, David und Salomo zu nennen. Noah baute auf Anweisung Gottes eine Arche, Moses und das Volk Israel bauen unter der Anweisung Gottes die Bundeslade und die Stifthütte. David schreibt hunderte Lieder und Salomo baut den Tempel, zur Ehre Gottes. Im NT verwendet Gott den Menschen zum Bau seiner Kirche (Mt 16,18). Neben der Notwendigkeit die Erde zu bewahren, setzt Gott die schöpferische Fähigkeit des Menschen auch aktiv zu seiner Ehre und zu seinem Zweck ein. Das schöpferische Handeln des Menschen wird darin zum Lob Gottes.

2.3.2 Schöpferisches Handeln als Auflehnung

Jedoch finden wir in der Bibel auch das gegenteilige, das missbräuchliche Handeln des Menschen. Dies beginnt mit Adam und Kain und geht über zum Turmbau zu Babel, wo das schöpferische Handeln aktiv gegen Gott verwendet wird. Diese Auflehnungen lässt die Entfremdung des Menschen von seinem ursprünglichen Auftrag verspüren.[13] „Die sonst zum Schutz der menschlichen Natur bestimmten Grenzen rächen sich für ihre Überschreitung.“[14] Diese auflehnende Handlungen erfordern in unserer Verantwortungsfähigkeit, welche wir als Ebenbild haben, eine Konsequenz. Diese Konsequenz ist die Entfremdung von Gott und die Verfehlung der Bewahrung der Schöpfung. Auflehnung gegen den eigentlichen Auftrag ist demzufolge immer auch als Sünde zu bezeichnen. So kann aus unserem Handeln sowohl Lob wie auch Fluch kommen (Jak 3,10).

2.3.3 Handlung und Intention

Wir haben gesehen, dass das menschliche Handeln sowohl zur Ehre, als auch zur Auflehnung gegen Gott verwendet werden kann. Dementsprechend ist die reine Handlung des schöpferischen Aktes des Menschen ein neutraler Akt. Die Handlung und die Fähigkeit einen Altar zu bauen kann sowohl zur Ehre, als auch zur Auflehnung (Götzendienst) führen. Musik kann zum Lobpreis werden oder zum Dämonischem Schamanen Gesang. In beiden Fällen ist der rein physikalische Akt derselbe. Die Handlung an sich ist also nicht die ausschlaggebende Ursache für die Sünde, sondern deren Zweck. In (Mt 12,36ff.) spricht Jesus dies direkt an; so wird nicht direkt die Handlung (Das Wort) als Ursache für das Böse angeschaut, sondern das Herz als Ursprung und Zweckgeber der Worte. Doch wird das Urteil über die Handlung ausgesprochen „nach deinen Worten wirst du verurteilt“. So lässt sich die Handlung nicht von der Intention trennen, sondern Sie gehen Hand in Hand (Lk 6,43ff.).

2.3.4 Die Wichtigkeit der Intention

Um die Entwicklung von KI zu bewerten, ist also nicht einfach nur das Technische anzusehen, sondern auch die Intention dahinter.

„Ob man einen Roboter baut oder nicht, würde demnach davon abhängen, ob die Sinnfälligkeit eines solchen Vorgehens geklärt ist oder nicht. Was will man mit dem Roboter, welchen Zweck soll er haben, wie will ich mit ihm umgehen, was will ich mit ihm erreichen, wie kann ich seine Existenz und die Auswirkungen seines Einsatzes verantworten?“[15]

Solche Fragen müssen gestellt werden, um eine gute Bewertungsgrundlage zu finden. Es ist jedoch auch hier zu beachten, dass die Intention des Entwicklers, nicht mit der Intention des Benutzers übereinstimmen muss. So kann z. B. eine Multikopter vom Hersteller als Sportaufnahme Gerät gedacht sein, aber vom Benutzer für Spionage oder Störmanöver missbraucht werden. Dieser Missbrauch der initialen Intention beschränkt sich jedoch nicht nur auf KI, sondern ist auch in allen alltäglichen Dingen anzutreffen, z. B. wenn ein Hammer als Waffe Verwendung findet anstatt als Werkzeug. Die Intention macht den Missbrauch in allen Fällen aus.

2.3.5 Die Verantwortlichkeit

Im Unterschied zu einer KI, welche einen voreingegebenen Algorithmus hat, wurde der Mensch in Freiheit erschaffen. Eine KI benötigt immer eine zielgebende Komponente, aus sich selbst kann ein Algorithmus kein Ziel bestimmen. Freilich lassen sich dabei Algorithmen mit verschiedenen oder mehreren Zielen programmieren, sogar indirekte Ziele sind möglich[16], jedoch ist ein Ziel immer irgendwie vorgegeben. Der Algorithmus ist in sich also nicht frei, er ist auf die Programmierung eines höheren Wesens angewiesen. Desgleichen ist eine KI auch nicht verantwortungsfähig, denn der Algorithmus hat kein Bewusstsein für sein Handeln. Dies ist am einfachsten zu sehen, wenn ein Algorithmus eine Fehlfunktion hat und so sein Ziel nicht mehr erreichen kann. Der Algorithmus macht einfach weiter (z. T. mit verheerenden Folgen), da es ihm nicht möglich ist, sein Handeln auf der Metaebene zu reflektieren. Im Gegensatz dazu ist der Mensch fähig, sein Handeln zu reflektieren und sein Ziel selbstständig zu definieren. Ich kann entscheiden Links oder Rechts zu laufen, beide Entscheidungen haben für mich Konsequenzen.[17] Für eine Maschine trifft dies nicht zu. Wird eine Maschine ausgeschaltet, sind die Stromkreise tot, es gibt keine Seele. Dieses Problem ist, vor allem im Blick auf autonome Autos aktuell, da die Schuldfrage bei einem Unfall geklärt werden muss. Entscheidet die KI, kann der Mensch dann noch verantwortlich sein? Kann der Mensch tatsächlich durch die KI abgelöst werden, auch in seiner Verantwortlichkeit?

3 Ethische Überlegungen

3.1 Die Ablösung des Menschen und die Sinnfrage

Ich will, im Blick auf die Entwicklung von KIs, hier bewusst nicht von der „Abschaffung des Menschen“ sprechen, denn der Mensch wird wegen einer Entwicklung nicht abgeschafft im Sinne einer Vernichtung seiner eigenen Existenz, viel mehr wird er abgelöst. Abgelöst im Sinne von ersetzt werden, obsolet werden. Was passiert mit dem menschlichen Sein, wenn sein Handeln von Robotern und autonomen Systemen übernommen wird. Verliert der Mensch darin nicht auch seinen Sinn?

Hier eröffnet sich eine sehr wichtige ethische Frage, denn wenn sich der Mensch durch sein schöpferisches Handeln selbst obsolet macht, da die von ihm geschaffenen Maschinen sein Handeln nun selbstständig und besser ausführen können. Fällt dann nicht ein wichtiger Bestandteil des Menschseins weg? In was finden wir noch Relevanz und Anerkennung? In welchem Sinne geben wir dadurch auch unsere Macht ab, obwohl wir Sie dadurch stärken wollten? Bereits C.S Lewis hat dieses Problem erkannt, wenn auch nicht im Blick auf KI. So schreibt er „der Mensch, der sich selbst als Rohmaterial verstehen will, auch Rohmaterial wird“[18] so macht ein Fortschritt (im Sinne von sich ausserhalb der Grenzen zu bewegen[19]) den Menschen für Lewis nicht nur stärker, sondern immer auch schwächer, bis er in eine gänzliche Sinnlosigkeit verfällt.[20]

Der Mensch wird also durch die Entwicklung des KIs nicht selbst zum Homo-Deus, er löst sich viel mehr selbst ab. Der Mensch macht sich durch sein schöpferisches Wirken obsolet, dies steht in einem deutlichen Kontrast zum schöpferischen Gott. Der Mensch steht in der Abhängigkeit seines Schöpfers, doch der KI ist nur abhängig von seiner Energieversorgung. Nicht mal ein konkreter Sinn muss vorhanden sein. Eine Maschine kann auch Maschine sein in dem sie sinnlos im Leerlauf dreht. Diese Ablösung finden wir auch in Filmen wie Matrix, wo der Mensch zum Energieträger der Maschine wird, also nicht mehr der Mensch die Maschine benutzt, sondern die Maschine den Menschen.

Hier spielt die Gottebenbildlichkeit des Menschen eine wichtige Rolle, denn im Grundsatz ist es diese Ebenbildlichkeit die den Sinn des Menschen beantworten kann. Ohne Bewusstsein eines Schöpfers, welcher einen höheren nicht in einem selbst definierten Sinn stiftet, wird der KI den Menschen zum Statisten degradieren, denn sein Sinn steht und fällt mit dem eigenen rationalen und schöpferischen Handeln. Wird dieses Handeln für den Menschen obsolet, so wird auch seine Existenz auf dieser Basis obsolet. Dies sehen wir bereits in Ansätzen bei langzeitarbeitslosen Menschen, welche ihrem schöpferischen Handeln beschnitten wurden.[21] Wie sich dieses Problem weiterziehen wird, wenn die ganze Menschheit in ihrem schöpferischen Handeln obsolet ist, lässt sich dementsprechend nur sehr dunkel beschreiben. Die Schöpfung (Maschine) der Schöpfung (Mensch) unterscheidet sich also insofern gegenüber der Schöpfung (Mensch) des Schöpfers (Gott), dass die Schöpfung des Menschen „mithilfe des Bildes vom Töpfer und seinem Gefäss umschrieben wird: völlige Abhängigkeit auf der einen Seite – auf der anderen jedoch die Sorge Gottes für sein Werk.“[22] Es steht also eine vom Schöpfer aus geschenkte Beziehung als Sinn gebendes Mittel zwischen Schöpfung und Schöpfer im Zentrum. Gerade aber dieser Beziehungsaspekt lässt sich nur mit einer eschatologischen Sicht genau fassen. So hat einen KI kein Leben nach dem Tod und auch keine Hoffnung auf Vereinigung, ja, der KI ist nicht einmal fähig Verantwortung zu tragen, er ist gerichts- und schuldunfähig. Der Mensch steht jedoch in seiner Ebenbildlichkeit auch Gott als Verantwortung tragendes Wesen gegenüber, dadurch definiert sich sein Sinn auch darin, dass sein Handeln aus dieser Ebenbildlichkeit Konsequenzen nach sich ziehen muss. In dieser Konsequenz erst aber finden wir auch einen Sinn, der ausserhalb von uns ist. Nämlich die antwortfähige Liebe vom Schöpfer her zum Geschöpf. Diese Antwortfähigkeit beinhaltet die Freiheit und die Verantwortungsfähigkeit der Liebesperson, aber vor allem auch den Liebens- bzw. Existenzwillen des Töpfers zum Topf.

Nun kann man natürlich eine KI pseudo-empathisch Programmieren, sodass eine Liebesfähigkeit vorgegaukelt wird, jedoch wird auch dann der KI nicht verantwortungsfähig sein für die, von ihr simulierte, Liebe. Alles, was ihn ausmacht, ist der Stromkreis in ihm, welcher, wenn einmal unterbrochen ihre Existenz beendet. Sieht sich der Mensch also wie von Lewis beschrieben als Rohmaterial, welcher keinen ausser humanen Sinn hat[23], so sind wir tatsächlich nicht mehr als Maschinen, welche sich selbst ablösen können. Durch die Ebenbildlichkeit und damit die über existenzielle Sinngebung des Schöpfers zum Geschöpf, kann aber auch durch eine Ablösung des handelnden Aspektes des Menschen durch Maschinen und KIs, die eigentliche Sinnhaftigkeit des Menschen, nämlich sein Beziehungsaspekt zu Gott nicht angetastet werden. Der Mensch bleibt Ebenbild und damit auch schöpferisch fähig und er bleibt genauso auch verantwortlich gegenüber und geliebt vom Schöpfer. Der Mensch scheint zwar für die weltliche Tätigkeit obsolet zu werden, jedoch hat dies auf seine Beziehung zum Schöpfer keinen direkten Einfluss. Das schöpferische Handeln wird in dieser Beziehung immer noch neues schaffen, selbst wenn alles andere Schaffen abgelöst wurde. Jedoch hat das schöpferische Handeln indirekt einen Einfluss auf die Beziehung zu Gott, in dem sich das schöpferische Handeln gegen Gottes Willen erhebt und so zu einem Tragen der Konsequenzen in der Verantwortungsfähigkeit führt. Damit stellt sich automatisch auch die Frage nach den Grenzen und Chancen dieser Entwicklung. Ab wann ist die Entwicklung von KIs nicht mehr mit Gottes Willen vereinbar?

3.2 Chancen und Grenzen

Im vorherigen Teil wurde klar, dass sich durch die Ebenbildlichkeit des Menschen ein Unterschied seiner Schöpfung (KI) gegenüber dem Menschen auftut. Dieser Unterschied kann nicht durch menschliches Handeln überwunden werden, da unsere Beziehungs- und Verantwortungsfähigkeit gegen über dem Schöpfer nicht von uns aus definiert wird. Trotzdem spielt gerade die Verantwortbarkeit eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, wo die Grenzen und Chancen von KIs sind. Denn wir haben gegenüber dem Schöpfer und der weiteren Schöpfung eine Verantwortung. Deshalb sollen hier kurz die Chancen und Grenzen von KIs angegangen werden.

3.2.1 Grenzen und Gefahren

Im Abschnitt 2 wurden bereits zwei Grenzen aufgezeigt, zwischen denen das menschliche Handeln ablaufen sollte. Dabei ist klar geworden, dass die erste Grenze (Bewahren) dabei nicht unüberwindbar ist, man kann also aktiv gegen diese Grenze verstossen. Die zweite Grenze (nemo creatio ex nihilo) kann als Naturkonstante gefasst werden. Dem Menschen ist diese Grenze fix gegeben und damit unüberwindbar. Doch was bedeutet dies speziell für die Entwicklung von KIs.

Im Blick auf die zweite Grenze, lässt sich sagen, dass sich ein Roboter der eine höhere Stellung wie den Menschen erhält, nicht schaffen lässt. Der KI bleibt immer Maschine, bleibt immer Geschöpf aus anderem Geschöpf. Auch der höchst entwickelte KI ist keine neue Kreatur! Der Mensch kann, selbst wenn er einen voll autonomen KI erbaut, nie zu Gott werden! Kein Algorithmus kann „creatio ex nihilo“ sein oder selbst zum „creator ex nihilo“ werden. Hier ist jedoch anzufügen, dass der Mensch selbst nicht direkt „creation ex nihilo“ ist, sondern aus dem Staub geformt wurde (Gen 2,7). Dabei ist zu beachten, dass der Mensch zwar aus Staub erschaffen wurde, aber der Lebens Odem noch eingehaucht werden muss. Bei einer KI würde dies der Programmierung entsprechen.[24] So kann ein Autonomer KI sehr nahe an den Menschen herankommen, ihn jedoch von der Stellung her nicht überholen.

Im Blick auf die erste Grenze gibt es weitere Gefahren. Wie bereits zu Beginn angeschaut, kann der Mensch sich selbst seines Sinnes berauben. Der Mensch wird Sklave der KI, wie dies in vielen Filmen, wie z.B. Matrix etc. aufgezeigt wird. Doch diese Entwicklung ist nicht bloss Zukunftsmusik. Dies beginnt bereits jetzt. So entscheiden z.B. Algorithmen darüber, welche Kreditwürdigkeit jemand hat. Diese Entscheidungen sind nicht oder kaum mehr nachvollziehbar für den Menschen. Bereits wird in der USA mit KIs experimentiert, um Verbrecher im Voraus zu entdecken, Menschen werden, präventiv anhand von KI entscheiden festgenommen.[25];[26];[27] Auch im militärischen Bereich werden momentan Drohnen entwickelt, die selbstständig entscheiden , wo ihre Bomben abgeworfen werden, dies anhand von Metadaten[28], welche nie fehlerlos sind.[29] In all dieser Entwicklung sehen wir, dass der Mensch sich seiner Verantwortung entziehen will.[30] „Der Roboter hat ja geschossen, nicht ich!“, „Der Algorithmus hat mir gesagt, dass du ein Terrorist bist!“. „Der Computer sagt, dass du leider kein Haus kaufen darfst.“ Dies erinnert stark an die Ausrede Adams nach dem Sündenfall „Die Frau, die du mir zur Seite gegeben hast.“ (Gen 3,12) Der KI ist also nicht mehr Gehilfe des Menschen, sondern Feind und Sündenbock. Wie ist diese Entwicklung zu bewerten, gerade im Blick auf den Kulturauftrag? Und wie können wir als Christen hier einen gesunden Umgang finden? Dies sind die Fragen, welche dringendst auch in den theologischen Kreisen diskutiert werden müssen.

3.2.2 Chancen

Wie wir gesehen haben, kann das menschliche Handeln Fluch oder Segen sein. So verhält es sich auch mit der KI. Sie kann zur Gefahr werden zur Auflehnung oder sie kann zum Guten dienen. So eröffnet sich gerade im Blick auf den Bewahrungsauftrag grosse Chancen in der KI-Entwicklung. KIs welche die optimale Saatmenge bestimmen, autonome Autos, durch die es zu weniger Unfällen kommt, bessere Wettervorhersagen oder auch im medizinischen Bereich, bessere Krankheitsvorhersagen, Diagnosen und Medikamententests. All dies sind Bereiche, in denen die KI ein unterstützendes Element im Kulturauftrag des Menschen einnehmen kann. Die Schwierigkeit ist es, diese Chancen zu sehen und diese in den von Gott gegebenen Grenzen einzusetzen, dann kann auch eine KI dem Lob Gottes dienen.

4 Fazit

Das Thema KI ist ein weiter Bereich und in diesem Artikel konnte nur einen Startschuss auf eine hoffentlich sich bald auch in der Theologie eröffnenden Diskussion gegeben werden. Wichtige Entwicklungen wie z. B. Pflegeroboter sowie segnende oder gar predigende Roboter konnten nicht angeschaut werden. Gerade die Konzentration auf die Ebenbildlichkeit des Menschen und die daraus resultierende schöpferische Fähigkeit mit ihren Grenzen, aber auch Chancen, setzten auch in der technischen Entwicklung eine beständige und stabile Beurteilungsgrundlage. Die Theologie ist auch mit der neusten technischen Entwicklung nicht obsolet geworden, sondern sie bietet immer noch die einzige Grundlage, auf der ein richtiger Umgang in und mit Gottes Schöpfung erst möglich wird. Der Mensch kann sich aus seiner von Gott gegebenen Verantwortung nicht herausnehmen, jeder wird für seine Werke vor Gott stehen müssen (Offb 20,13), so ist auch die Theologie immer gefordert am Menschen dranzubleiben und die Richtungsweisungen, welche Gott uns vorgegeben hat, aufzuzeigen. „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ (Lk 21,33) So wird auch, solang die Erde besteht, die Theologie und damit deren Dogmatik und Ethik nicht aufhören, die Relevanz dieser Worte neu zu erfassen und auf die aktuelle Lebenssituation anzuwenden.

[1] Vgl. Schmidt, Digitaler, in: jesus.ch.
[2] Vgl. Jervell, Bild Gottes I (TRE), 492.
[3] Egelkraut, Mission, 187.
[4] Vgl. a.a.O. 187ff.
[5] Vgl. ebd.
[6] A.a.O., 188.
[7] Angenendt, Toleranz, 20.
[8] Vgl. Gesenius, עבד (Hebräisch), 555.
[9] Vgl. Schälike, Verantwortung, 281f.
[10] Vgl. Ganoczy, Schöpferische, 117f.
[11] Selbst anscheinende Neuschöpfungen, wie z.B. Kunst greift im Endeffekt immer auf schon vorhanden Strukturen zurück. Auch rein chaotisch angelegte Kunstprojekte bieten im Endeffekt nicht etwas wirklich Neues im Sinne von „Creatio ex nihilo“. Spannend dazu ist z.B. das Projekt libraryofbabel.info welches durch zufällige Zusammenstellung von Buchstaben den Anspruch erhebt, alle denkbaren Sätze zu enthalten, die jemals möglich sind. Jedoch ist auch dies keine Neuschöpfung, sondern eher ein Zusammenbauen schon vorhandenem.
[12] Hier sind Gesundheitsbedingte Ausnahmen zu beachten.
[13] Vgl. Ganozcy, Schöpferische, 155.
[14] Ebd.
[15] Kornwachs, Prothese, 404f.
[16] z.B. einen KI der sich selbst ein Spiel beibringt, jedoch hat auch dieser KI ein Ziel, nämlich das Spiel zu analysieren und zu erlernen.
[17] Vgl. Schälike, Verantwortung, 283ff.
[18] Lewis, Abschaffung, 74.
[19] Lewis nennt dies Tao, das Naturgesetz, ich würde hier den Kulturauftrag einbeziehen.
[20] Vgl. a.a.O., 61ff.
[21] Vgl. Ganoczy, Schöpferische, 185f.
[22] Oswald, Ebenbild, 56.
[23] Vgl. Lewis, Abschaffung, 61ff.
[24] Je nachdem wie man den Lebens Odem definiert, könnte auch die Elektrizität dazu gezählt werden.
[25] Vgl. Rötzer, KI-System, in: heise.de.
[26] Vgl. N.n., Verbrechens, in: ergo-impulse.de.
[27] Vgl. N.n., Minority, in: futurezone.de.
[28] Vgl. Becker, Autonome, in: spiegel.de.
[29] Vgl. Wolfangel, Grenzen, in: Spektrum Kompakt 17.10.2016, 42ff.
[30] Vgl. Koch, Autonome, in: netzpolitik.org

5 Literaturverzeichnis

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N.n.: Minority Report in der Realität. Künstliche Intelligenz zur Vorhersage von Verbrechen wird getestet, in: https://www.futurezone.de/digital-life/article213625953/Minority-Report-in-der-Realitaet-Kuenstliche-Intelligenz-zur-Vorhersage-von-Verbrechen-wird-getestet.html (4.1.2019).

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